Und damit herzlich Willkommen zum traditionellen HES – Adventskalender – genauer zum Tür´chen Nummer 1! 
Darin möchten wir, nach einem aufregendem Jahr 2020, erinnern, dass die Sächsische Dampfschiffahrt im Mai einen (halb-)runden Schiffsgeburtstag zu feiern hatte. Der PD MEISSEN beging seinen 135. Geburtstag. Werfen Sie mit uns einen Blick in seinen wechselvollen Lebenslauf:2015-05-01 PD MEISSEN zur Raddampferparade bei Kleinzschachwitz - Foto ABz

01. Mai 2015 Der PD MEISSEN zur Raddampferparade bei Kleinzschachwitz            Foto: A. Bilz

135 Jahre Personendampfer MEISSEN 1885 – 2020

Im Mai 1885 erfolgte zum Saisonbeginn der SBDG die feierliche Indienststellung des neugebauten Schiffes. Der sehr elegant eingerichtete Dampfer erhält den Namen des damaligen Königs von Sachsen KÖNIG ALBERT (geb. 1828 – gest. 1902). Äußerlich fallen gegenüber bisherigen Neubauten die große Länge (rund 60,00 Meter gegenüber sonst ca. 52,00 Metern) sowie die bereits von Beginn an ausgebauten Radkästen auf.

PD König Albert mit Festgesellschaft1898 erfolgte durch die Indienststellung eines neuen PD KÖNIG ALBERT
(heute PD PIRNA) die Umbenennung des Schiffes auf den neuen Namen
PD SACHSEN.

DS Sachsen Mittelschiff

PD SACHSEN um 1910 in Bad Schandau                                                          Foto: SLUB Dresden

Größere Umbauten erfährt der Dampfer erstmals im Jahre 1914. Die Dampfmaschine wird durch den Einbau eines Hochdruckzylinders auf das Verbundsystem umgebaut und leistet nun 230 PS. Dazu erhält das Schiff einen neuen Dampfkessel der Dresdner Schiffswerft- und Maschinenfabrik Übigau mit 10 atm Druck und eine Dampfsteuermaschine, ebenfalls von Übigau geliefert, mit 6 PS Leistung. Weiterhin erfolgt der Einbau einer elektrischen Anlage mit 65 Volt Gleichstrom. Äußerliches Merkmal dieses Umbaus ist der Wegfall des Steuerstandes am Heck und der Aufbau eines kleinen Steuerhauses in Schiffsmitte zwischen den Radkästen.

1912um PD SACHSEN am Terrassenufer - ReproAK

PD SACHSEN um 1915 am Terrassenufer                                                   Foto: Sammlung A. Bilz

Das Schiff ist in den folgenden Jahren, wie man aus vielen, historischen Ansichtskarten schlussfolgern kann, meist im sog. Oberland, also stromauf von Dresden bis nach Aussig und Leitmeritz im Einsatz.

1927/28 erfolgten die nächsten und das Erscheinungsbild des Schiffes prägendsten Umbauten. Der Schiffskörper wurde auf 64,35 Meter verlängert und gleichzeitig ein Decksalon sowie ein Oberdeck aufgebaut. Die Salons erhielten eine Dampfheizung und der Dampfer einen weißen Anstrich. Das nun als „Salondampfer“ geltende Schiff wurde erneut umbenannt und bekam den Namen PD MEISSEN.

1935um PD MEISSEN bw bei Kleinzschachwitz - Repro Hahn-AK

um 1935 PD MEISSEN bergwärts bei Hosterwitz                      Foto: W. Hahn / SLUB Dresden

1938 wurden Maschinenumbauten nötig. Es erfolgten der Einbau eines neuen Maschinen-Oberframs und der Umbau der Schleppkurbeln auf eine feste Welle.

1944 PD MEISSEN in Krippen - Foto E.Heller

Der PD MEISSEN 1944 in Krippen                                                  Foto: E. Heller / SLUB Dresden

Während des zweiten Weltkrieges wurde der PD MEISSEN 1943 mit Tarnanstrich versehen und zu Evakuierungen nach Hamburg abkommandiert. Unbeschadet kehrte es nach Dresden zurück und erlebte dort das Kriegsende.

1947 PD MEISSEN in Schmilka

1947 ist das Schiff auf Sonderfahrt in Bad Schandau                                  Foto: Sammlung A. Bilz

1953um PD MEISSEN auf FDJ-Sonderfahrt in Rathen - Quelle SLUB Dresden

um 1953 auf FDJ-Fahrt in Kurort Rathen                                                         Foto: SLUB Dresden

Die 50-iger und 60-iger Jahre waren geprägt von Instandhaltungsarbeiten und einigen Modernisierungen, so zum Beispiel:

  • 1958 Verlängerung des Oberdecks um 3,00 m und Aufbau einer Windschutzwand auf dem Vorschiff
  • 1958/59 neue E-Anlage 220 Volt Drehstrom mit Dampfturbine vom Turbinenwerk Dresden, 2 Turbogeneraturen vom RAW Dresden
  • 1961/62 Einbau einer 1-Zylinder Dampfmaschine vom Elbe-Werk Rosslau mit
    10 PS zum Antrieb der Generatoren, Aufbau eines Kesselhauses
  • 1964 Einbau eines neuen Niederdruckzylinders, gegossen in der Eisengießerei Zwickau
1967_02 PD MEISSEN am Terrassenufer - Foto G.Grundmann

PD MEISSEN 1967 talwärts am Terrassenufer              Foto: G. Grundmann / Sammlung A. Bilz

1967/68           Erneuerung beider Radkästen, Aufbau eines Vorderdecksalons
1976/77           Erneuerung des Steuerbord-Maschinenframs

1980 um PD Meissen bw bei Söbrigen

Das Schiff um 1980 bw bei Söbrigen                                                            Foto: Sammlung A. Bilz

Ab 1983 bis 1985 erhielt der PD MEISSEN eine Generalinstandsetzung auf der Werft Laubegast, dabei erfolgte der Einbau eines neuen Kessels vom VEB Dampfkesselbau Übigau mit 90 m² Heizfläche und 10 atm Druck (Bau-Nr. 15781). Beide Decksalons wurden neu aufgebaut, die Maschine erhielt einen neuen Niederdruck-Kolben und eine neue E-Anlage nebst Schalttafel wurde installiert.

1985.03 PD Meissen nach erfolgter Rekonstruktion noch an der Werft Laubegast

PD MEISSEN März 1985 an der Werft Laubegast                                                           Foto: A. Bilz

Am 20. Mai 1985 geht das Schiff, pünktlich zum 100. Geburtstag wieder in Fahrt. Erstmals seit den 60-iger Jahren erhält dabei ein Dampfer wieder ein Wappen mit schmückendem Beiwerk als Radkastenspiegel – ergänzt durch beide Jahreszahlen 1885 und 1985.

1985 PD Meissen am Anleger Kleinzschachwitz

1985 beim Anlegen in Kleinzschachwitz                                                                          Foto: A. Bilz

1986 zum Jubiläum „150 Jahre Personenschiffahrt auf der Oberelbe“ wurde der
PD MEISSEN zum „Postschiff“ umfunktioniert, es gab aus diesem Anlass und zur Freude aller Philatelisten einen Sonderstempel und einen Ersttagsbrief, welcher an Bord erhältlich war.
post2Mit Übernahme der Weißen Flotte Dresden durch die Conti-Reederei und Gründung der Sächsischen Dampfschiffahrt GmbH wurde auch der PD MEISSEN umfassend rekonstruiert. Im Auftragswert von 3,5 Mio. DM war u.a. enthalten: Umbau der Kesselfeuerung von Kohle auf Öl, ein neues, dem historischen Vorbild entsprechendes Steuerhaus, eine komplett neue, elektrische Anlage, neue Holzdecks, ein elektro-hydraulisches Steuer und ein Bugstrahlruder. Komplettiert wurde alles durch den neuen Salonausbau und einem neuen Außenstrich – beides nach historischem Vorbild.

1988 PD Meissen tw in Söbrigen

PD MEISSEN 1988 talwärts bei Heidenau                                    Foto: unbek. / Sammlung A. Bilz

Am 24.11.1992 erfolgte der Werftanlauf in Laubegast, dort wurden Schornstein, Steuerhaus und weitere Aufbauten entfernt und das Schiff anschließend im Schlepp des DS SACHSENWALD zur Werft Genthin verbracht (Aufenthalt dort 03.12.92-14.06.1993).
Nach Rückkehr zur Werft Laubegast erfolgten dort der Endausbau und die Malerarbeiten.

Am 26.07.1993 erfolgte die feierliche Wiederinbetriebnahme des PD MEISSEN

2012.09.24 PD Meissen tw auf L62-4 _01

24.09.2012 PD MEISSEN talwärts bei Hosterwitz                                                          Foto: A. Bilz

2014-03-22_05 PD MEISSEN bw bei Tolkewitz - FotoABz

22.03.2014 Der Dampfer ohne National am Schornstein bei Tolkewitz                        Foto: A. Bilz

3.10.2020 PD MEISSEN zur Dampferparade bei Kleinzschachwitz - Foto A. Bilz

3.10.2020 PD MEISSEN zur Dampferparade bei Kleinzschachwitz – Foto A. Bilz


Überblick zu den technischen Daten des Schiffes:

erbaut 1885 auf der Werft Blasewitz

60,70 m lang – ab 1928 64,35 m;
5,56 m breit ; 11,34 m breit über Radkästen ;
Zuladung 350 Fahrgäste ; Tiefgang 0,77 m leer

oszillierende Zwillingsmaschine der ÖNWDG-Werft Bau-Nr. 239 mit 120 PS
ab 1914
oszillierende Zweizylinder-Verbunddampfmaschine mit 230 PS (durch Umbau)
Zylinderdurchmesser HD 440 mm; ND 770 mm; Hub 760 mm

3-Flammrohr-Kofferkessel mit 125 m² Hzfl. , 2 atm Druck , Bau-Nr. 428
ab 1914
2-Flammrohr-Zylinderkessel mit 89 m² Hzfl. der Dresdner Schiffswerft und Maschinenfabrik in Dresden-Übigau (Baujahr 1913 Bau-Nr. 2515); 10 atm Druck
ab 1985
2-Flammrohr-Zylinderkessel mit 90 m² Hzfl. Vom VEB Dampfkesselbau Übigau;
(Bau-Nr. 15781); 10 atm Druck

Dampfsteuermaschine (bis 1992 im Einsatz)
Baujahr 1913, Bau-Nr. 1411 der Dresdner Schiffswerft und Maschinenfabrik Übigau
6 PS Leistung

Raddurchmesser 3,00 m mit 11 Schaufeln 2,20 m x 0,52 m
————————————————————————————————————————-

Fotonachweis:

Die Herkunft der Fotos wurde unter diesen entsprechend dargelegt.
Sollten Betrachter Verstöße gegen entsprechende, mir unbekannte Urheberrechte bemerken, so bitte ich dies mir per Mail unter admin[at]historikerkreis-elbeschiffahrt.de mitzuteilen. Betroffene Darstellungen werden dann umgehend gelöscht.

Quellennachweis:

Sammlung zur Geschichte der Dresdner Personenschifffahrt
Alexander Bilz – Dresden
Sammlung zur Geschichte der Dresdner Personenschifffahrt
Michael Kaiser – Heidenau
Sammlung zur Geschichte der Dresdner Personenschifffahrt
Johannes Hirsch – Dresden